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Woran du erkennst, dass deine Beziehung gut und gesund ist

  • Autorenbild: Marleen Theißen
    Marleen Theißen
  • 2. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Die Frage nach der Qualität der eigenen Partnerschaft beschäftigt viele Menschen, besonders wenn der erste Zauber der Verliebtheit verflogen ist. Auch die Paare, die zu uns ins Coaching kommen, fragen immer wieder, woran sie erkennen, ob ihre Beziehung "gesund" oder wie viel Streit "normal" ist.


In der psychologischen Forschung wird deutlich, dass eine gesunde Beziehung weniger durch die Abwesenheit von Problemen definiert wird, sondern vielmehr durch die Art der emotionalen Verbundenheit. Wenn du wissen möchtest, ob deine Partnerschaft auf einem stabilen Fundament steht, hilft ein Blick auf wissenschaftlich fundierte Konzepte wie die Bindungstheorie oder die Erkenntnisse der Emotionsfokussierten Paartherapie.


Blumen
Nimmst du deine Beziehung eher als gesund oder ungesund wahr?

Die emotionale Basis einer gesunden Beziehung

Ein wesentliches Merkmal einer stabilen Partnerschaft ist die emotionale Sicherheit. In der Bindungsforschung wird dieses Konzept oft als "sicherer Hafen" bezeichnet. Das bedeutet, dass du dich in der Gegenwart deines Partners oder deiner Partnerin grundlegend wohl und angenommen fühlst.


In der Praxis zeigt sich das zum Beispiel nach einem harten Arbeitstag. Wenn du nach Hause kommst und von einem Misserfolg erzählst, reagiert dein Gegenüber nicht mit sofortigen Ratschlägen oder Desinteresse, sondern signalisiert zuerst einmal Verständnis. Du spürst, dass deine Verletzlichkeit keinen Angriffspunkt bietet, sondern die Bindung vertieft. Diese emotionale Responsivität sorgt dafür, dass das Stresslevel im Körper nachweislich sinkt, weil du dich nicht allein gelassen fühlst.


Konfliktkultur und die Reparatur in einer gesunden Beziehung

Wissenschaftler:innen wie John Gottman haben in Langzeitstudien herausgefunden, dass nicht die Häufigkeit von Konflikten über das Scheitern entscheidet, sondern die Fähigkeit zur Wiedergutmachung. Paare in einer gesunden Beziehung streiten ebenfalls, aber sie nutzen sogenannte Reparaturversuche.


Ein konkretes Beispiel wäre eine Situation, in der ein Wortgefecht über den Haushalt eskaliert. In einer gesunden Dynamik erkennt eine:r von beiden den Moment, in dem der Ton zu scharf wird, und sagt vielleicht mit einem sanften Lächeln, dass man sich gerade im Kreis dreht. Wenn die andere Person diesen Versuch annimmt, wird die Eskalationsspirale gestoppt. Das Ziel ist hierbei nicht, recht zu haben, sondern die Verbindung zueinander wichtiger zu priorisieren als den Sieg im Argument.


Psychologische Wirkungskraft: Warum dein Einfluss in einer gesunden Beziehung zählt

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die gegenseitige Einflussnahme. In der Forschung nach Gottman ist die "Annahme von Einfluss" (Accepting Influence) einer der stärksten Prädiktoren für den Erfolg. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Person die Kontrolle übernimmt. Es geht vielmehr um die tiefe psychologische Relevanz, die du im Leben deines Gegenübers hast.


In einer gesunden Dynamik zeigt sich dies dadurch, dass dein Partner oder deine Partnerin bereit ist, die eigene Meinung oder Planung anzupassen, weil deine Gefühle und Perspektiven ein gewichtiges Argument darstellen. Wenn du beispielsweise Bedenken bei einer großen finanziellen Entscheidung äußerst, wird dies nicht als "Störung" abgetan. Stattdessen fließt dein Einwand aktiv in den Entscheidungsprozess ein. Du erlebst dich als wirksam. Das Gegenteil wäre eine Mauer aus Abwehr oder Starrheit, bei der deine Bedürfnisse wirkungslos verpuffen. Echte Augenhöhe entsteht dort, wo beide Partner:innen bereit sind, sich durch die innere Welt des anderen verändern und bewegen zu lassen.


Das magische 5:1-Verhältnis im Beziehungsalltag

Ein besonders greifbares Merkmal für eine gesunde Beziehung ist das Verhältnis von positiven zu negativen Interaktionen. John Gottman prägte hierfür die 5:1-Formel. Das bedeutet, dass in stabilen Partnerschaften auf eine negative Interaktion – wie einen genervten Kommentar oder eine Kritik – mindestens fünf positive Momente kommen müssen, um die emotionale Balance zu halten.


Dies zeigt sich im Alltag oft in den unscheinbaren Momenten. Es ist das Lächeln beim Vorbeigehen, das aufrichtige Interesse beim Abendessen, der gekochte Kaffee am Morgen oder eine kurze, liebevolle Nachricht zwischendurch. Diese positiven Mikro-Interaktionen füllen das emotionale Beziehungskonto auf. Wenn dann ein Konflikt auftritt und quasi eine "Abhebung" vom Konto stattfindet, ist durch die vielen kleinen Gesten der Wertschätzung genug Guthaben vorhanden, damit die Beziehung nicht ins Minus rutscht.


Selbstreflexion statt Schuldzuweisungen

Stabile Partnerschaften bestehen aus zwei Individuen, die eine hohe emotionale Reife besitzen. Das bedeutet vor allem, die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen, statt sie dem anderen vorzuwerfen. Die Emotionsregulationsforschung zeigt, dass Paare, die ihre inneren Prozesse benennen können, deutlich seltener in destruktive Muster verfallen.


Ein Beispiel dafür ist das Gefühl von Eifersucht. Statt dem Gegenüber Vorwürfe über dessen Verabredungen zu machen, würde eine reflektierte Person sagen, dass sie sich gerade unsicher fühlt und ein wenig Bestätigung braucht. Dieser Wechsel von der Anklage zur Selbstoffenbarung ermöglicht es dem Partner oder der Partnerin, unterstützend statt verteidigend zu reagieren.


Gemeinsames Wachstum als Zeichen einer gesunden Beziehung

Ein letzter, entscheidender Punkt ist die Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Langzeitstudien zeigen, dass Menschen zufriedener in Beziehungen bleiben, wenn sie sich in ihrer persönlichen Entfaltung unterstützt fühlen. Man spricht hier oft von der "Dependenz-Paradoxie": Je sicherer wir uns gebunden fühlen, desto mutiger können wir als Individuen in die Welt hinausgehen.


In einer gesunden Beziehung werden Veränderungen nicht als Bedrohung erlebt. Wenn du etwa eine berufliche Neuorientierung planst oder ein zeitintensives Hobby beginnst, fungiert deine Partnerschaft als sichere Basis ("Secure Base"). Dein:e Partner:in bremst dich nicht aus Angst vor Veränderung, sondern ermutigt dich, zu wachsen. So entwickelt ihr euch nicht auseinander, sondern parallel weiter, was die Beziehung über Jahre hinweg lebendig und spannend hält.


Deine persönliche Checkliste

Du kannst diese Fragen nutzen, um für dich selbst innezuhalten und euer Miteinander zu reflektieren.

  • Fühle ich mich sicher und geborgen, auch wenn ich mich von meiner verletzlichen Seite zeige?

  • Gelingt es uns, nach einem Streit wieder eine liebevolle Verbindung herzustellen, ohne einander Vorwürfe nachzutragen?

  • Habe ich das Gefühl, dass meine Meinung und meine Bedürfnisse die Entscheidungen in unserer Beziehung wirklich beeinflussen?

  • Erlebe ich im Alltag mehr Momente der Wertschätzung und kleinen Zuwendung als Momente der Kritik oder Distanz?

  • Habe ich den Raum, mich als Individuum weiterzuentwickeln, während mein Gegenüber mich dabei bestärkt?


Kostenloses Beziehungsrad

Wenn ihr merkt, dass sich eure Gespräche immer wieder festfahren, kann unser kostenloses Beziehungsrad helfen, Orientierung zu gewinnen.






 
 
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