Bedürfnisse erkennen und kommunizieren: 5 Anzeichen, dass deiner Beziehung Grenzen fehlen
- Marleen Theißen

- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Oft kommen Frauen zu uns ins Coaching, die sich in ihrer Beziehung wie ein Schatten ihrer selbst fühlen. Sie haben über Jahre so sehr versucht, es allen recht zu machen und die Harmonie zu bewahren, dass sie irgendwann an den Punkt kommen, an dem sie sich fragen, ob sie überhaupt noch als eigenständige Person in dieser Partnerschaft existieren.
Natürlich geht es vielen Männern genauso, hier ist es nur meist ein bisschen versteckter, und kommt erst später im Prozess zum Vorschein.
Wenn wir verlernen, wo wir selbst aufhören und das Gegenüber anfängt, fühlt sich die Beziehung irgendwann nicht mehr wie ein "sicherer Hafen" an, sondern nur noch wie eine endlose Liste an Erwartungen.
Bedürfnisse zu erkennen und achtsam zu kommunizieren ist dann der einzige Weg zurück zu sich selbst.

"Was ist los?" - "Nichts"
Erst kürzlich saß eine Klientin bei mir, nennen wir sie Martina, die genau an diesem Punkt stand. Sie erzählte mir, wie sie ihren Partner abends schon mit einer inneren Anspannung empfing, die sie kaum noch verbergen konnte. Eigentlich wollte sie nach der Arbeit nur zwei Stunden für sich haben, um mal kurz durchzuatmen.
Statt das aber zu sagen, kochte sie schweigend das Abendessen, während sie innerlich immer wütender wurde. Als ihr Partner dann fragte, was los sei, presste sie nur ein kurzes „Nichts“ hervor, während sie eigentlich darauf hoffte, er würde ihre Erschöpfung endlich von selbst sehen.
1. Du reagierst passiv-aggressiv statt klar zu sagen, was du brauchst
Das Verhalten von Martina ist ein klassisches erstes Anzeichen für fehlende Grenzen. Wenn wir die Worte für das, was wir eigentlich wollen, nicht finden, rutschen wir oft in eine passive Aggressivität. Wir geben nur noch einsilbige Antworten und hoffen, dass unser Gegenüber unsere Gedanken liest. Das Problem dabei ist, dass es uns selbst unglaublich viel Energie kostet, unsere Bedürfnisse überhaupt erst einmal zu spüren, weshalb wir vom anderen erwarten, dass er die Detektivarbeit für uns übernimmt. Das sorgt meistens nur für dicke Luft statt für echte Entlastung.
2. Du fühlst dich nach der gemeinsamen Zeit völlig leer
Ein zweites Warnsignal ist das Gefühl, nach Gesprächen oder Aktivitäten mit dem Partner oder der Partnerin emotional völlig ausgebrannt zu sein. Wenn du dich nach der gemeinsamen Zeit oft erschöpfter fühlst als vorher, liegt das meistens daran, dass du deine Energie nur darauf verwendest, die Stimmung oben zu halten oder die Probleme deines Gegenübers abzufangen. Für das, was du selbst gerade brauchst, bleibt dabei überhaupt kein Platz mehr, weil deine eigenen Kraftreserven nicht auf der Prioritätenliste stehen.
3. Du sagst Ja, obwohl du eigentlich ein Nein fühlst
Das dritte Anzeichen ist das Ja aus reinem Pflichtgefühl. Vielleicht lässt du körperliche Nähe zu oder stimmst Plänen für das Wochenende zu, obwohl dir eigentlich nach Ruhe ist. Du tust das oft nur, damit die andere Person nicht enttäuscht ist oder um die Haromnie nicht zu gefährden. Jedes Mal, wenn du so ein Ja über die Lippen bringst, das sich innerlich wie ein Nein anfühlt, entfernst du dich ein Stück mehr von dir selbst und schiebst dein Bedürfnis nach Distanz oder Selbstbestimmung einfach beiseite.
4. Du weißt gar nicht mehr, wer du ohne die Beziehung bist
Oft bemerken wir ein viertes Anzeichen darin, dass man sich selbst Stück für Stück verliert. Du passt deine Meinungen oder deine Freizeitgestaltung so sehr an dein Gegenüber an, dass du dich am Ende fragst, was dir eigentlich ganz alleine Spaß machen würde. Wenn du dich nur noch nach dem Rhythmus des anderen richtest, verschwimmt die Grenze zwischen dem Wir und dem Ich so stark, dass du deine eigene Autonomie opferst, nur um die Verbindung nicht zu gefährden.
5. Du rechtfertigst dich ständig für Zeit allein
Das fünfte Anzeichen ist die endlose Rechtfertigungsschleife in deinem Kopf. Du überlegst dir schon vorher genaue Argumente, warum es okay ist, wenn du dich mal für eine Stunde zurückziehst oder dich mit einer Freundin oder einem Freund triffst. Dieses Gefühl zeigt ganz deutlich, dass du deine eigenen Wünsche noch nicht als völlig legitim ansiehst oder Angst vor der Reaktion deines Gegenübers hast. Du behandelst deine Bedürfnisse wie etwas, für das du eine Entschuldigung brauchst, anstatt Grenzen setzen als Selbstfürsorge zu akzeptieren.
Bedürfnisse erkennen und kommunizieren
In der Psychologie nutzen wir hierfür oft das Konzept der Differenzierung. Es beschreibt die Fähigkeit, eng mit einem anderen Menschen verbunden zu bleiben und trotzdem man selbst zu sein. Eine hilfreiche Methode aus der Therapie ist hier die Gewaltfreie Kommunikation. Dabei geht es nicht darum, perfekt zu sprechen, sondern erst einmal zu lernen, die eigenen Gefühle überhaupt wieder wahrzunehmen und sie ohne Vorwürfe auszusprechen.
Warum Grenzen die Verbindung eigentlich erst möglich machen
Eine Grenze ist kein Stoppschild gegen deinen Partner, sondern eigentlich eine Einladung, dich wirklich kennenzulernen. Nur wenn du weißt, was du brauchst, könnt ihr einander auf Augenhöhe begegnen. Wenn du dich in Martinas Geschichte wiedererkennst, laden wir dich ein, mit uns genauer hinzuschauen. In unserer aktuellen Newsletter-Reihe gehen wir diese Schritte gemeinsam, damit ihr als Paar lernt, eure Räume wieder gesund zu gestalten. Passend dazu kannst du auch in unsere aktuelle Podcast-Folge „Passen wir eigentlich zusammen?“ reinhören, in der wir besprechen, ob euch einfach nur das richtige Werkzeug für eure Grenzen fehlt.
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Wenn ihr merkt, dass sich eure Gespräche immer wieder festfahren, kann unser kostenloses Beziehungsrad helfen, Orientierung zu gewinnen.


